Das Verhalten von Katzen

Geschichte

Die Vorfahren der modernen Hauskatze wurden von den alten Ägyptern vor ungefähr 5.000 Jahren als nützliche Mäusefänger „entdeckt", denn sie hielten die Getreidespeicher frei von den schädlichen Nagern. Katzen wurden aber auch als Gefährten geschätzt. Bald verehrte und pries man sie als lebendes Abbild der Göttin Bastet, dem Symbol für Mutterschaft und Fruchtbarkeit. Der hohe Status der Katzen sorgte dafür, dass sie im alten Ägypten sorgfältig gepflegt wurden. Im mittelalterlichen Europa dagegen wurden Katzen aktiv verfolgt. Man sah sie als Hexen in Tiergestalt an, besonders wenn sie schwarzes Fell hatten, und als Überträger der grassierenden Pest. Erst ab dem 17. Jahrhundert wandelte sich das Bild der Katze in der westlichen Kultur allmählich wieder. Seit rund 200 Jahren erfreuen sie sich als Heimtiere zunehmender Beliebtheit.



Das Verhalten von Katzen

Katzen sind für viele Tierfreunde wunderbare Heimtiere, weil ihre Ansprüche leicht zu erfüllen sind und sich mit vielen menschlichen Bedürfnissen decken. Sie mögen die Sicherheit eines Zuhauses. Von dort aus begeben sie sich auf Erkundungs- und Beutestreifzüge innerhalb ihres Territoriums. Sie passen sich dem menschlichen Wunsch nach Wärme und Zärtlichkeit hervorragend an und genießen Streicheleinheiten auf dem Schoß ihrer Menschen. In einigen Bereichen ihres Lebens sind Katzen allerdings eher pingelig. Zum Beispiel in Bezug auf Nahrung oder ihren Lieblingsplatz. Der Katzenfreund muss das Verhalten seiner Katze verstehen und richtig interpretieren, damit er ihre Grundbedürfnisse erfüllen kann. Dieses Verhalten äußert sich in Körper- und Lautsprache. Ein Katzenhalter, der die „Sprache" seiner Katze richtig deutet, ist besser gegen Überraschungen gewappnet.


Was ist an Katzen so toll?

Katzen sind loyal, freundlich und unbestechlich. Sie sind ausgezeichnete Gefährten für Menschen jeden Alters. Katzen sind in der Gesellschaft von Kindern genauso glücklich wie in der von älteren Menschen. Katzen und Menschen verstehen sich. Ihre Katze weiß, wenn Sie einen schlechten Tag im Büro hatten (es interessiert sie zwar nicht sonderlich, aber sie spürt es). Eine Katze zu „besitzen" ist eine der großen und einfachen Freuden des Lebens. Die Bindung zwischen Mensch und Katze ist eine tiefe Beziehung auf der Basis von Freundschaft, Loyalität und Respekt.


Zu Hause ist es am schönsten

Katzen genießen die Sicherheit eines Zuhauses, egal, ob Bauernhof oder Stadtappartement. Sie machen aus allem das Beste. Trotzdem ist es nicht empfehlenswert, eine erwachsene Freilaufkatze in eine kleine Stadtwohnung zu zwängen. Solche Katzen hängen an ihren Territorien. Sie gehen nach draußen und beanspruchen ein gewisses Revier gegenüber den Katzen aus der Nachbarschaft. Dieses Revier ist für Kater allerdings viel wichtiger als für weibliche Katzen. Kater beherrschen unter Umständen ein Territorium, das zehnmal größer ist als das von Katzen. Diesen Territorialinstinkt haben die Hauskatzen von ihren wild lebenden Ahnen geerbt. Die Territoriumsgröße einer Wildkatze hängt vom Nahrungsangebot ab. Je größer dieses Gebiet ist, bzw. je zahlreicher die Beutetiere dort sind, desto höher ist für die Katze die Wahrscheinlichkeit zu überleben. Natürlich ist das für eine Hauskatze nicht mehr von Bedeutung, aber ihr natürlicher Instinkt, ein Territorium zu beanspruchen, bleibt. Sie sollten Ihrer Katze also entweder ein großes oder ein interessantes Revier bieten, um dieses Grundbedürfnis zu erfüllen.

Das Zuhause einer Hauskatze ist gleichzeitig ihr Territorium. Die Katze markiert dessen Grenzen mit Duftnoten und anderen Spuren. Die Grenzen dieses Territoriums entsprechen nicht unbedingt den Grenzen Ihrer Wohnung oder Ihres Grundstücks. Ihre Katze bestimmt sie nach persönlichem Ermessen. Territorien können sich auch überlappen oder gemeinschaftlich genutzt werden, wenn viele Katzen in derselben Gegend leben. Das Revier einer Katze steht fest, solange diese Katze dort allein herrscht oder alle Eindringlinge unterdrückt bzw. vertreibt. Kommt eine stärkere Katze, müssen die Grenzen wahrscheinlich neu gezogen werden. Zwei oder mehr Katzen in einem Haushalt zeigen ebenfalls territoriales Verhalten. Auch sie werden sich auf unterschiedliche Territorien innerhalb des Hauses konzentrieren, die sich überlappen können. Die Küche könnte z. B. ein von beiden beanspruchter Ort sein, falls die Katzen hier gefüttert werden. Vielleicht rangeln sie auch mit Ihnen um ihre Lieblingsplätze - Ihre Rechte als Hausherr dürften sie dabei eher weniger interessieren. Eine neue Katze sollte Zeit haben, sich zunächst an ihre neue Umgebung zu gewöhnen. Lassen Sie die Neue in Ruhe die Räume abschnuppern, nach Fluchtpunkten Ausschau halten und bieten Sie ihr eventuell ersten Sichtkontakt mit ihren künftigen vierbeinigen Mitbewohnern. Erst dann sollte sie auf bereits vorhandene Katzen oder andere Tiere des Haushalts treffen. Auf diese Weise fühlt sie sich der neuen Situation eher gewachsen. Ein unkastrierter Kater markiert sein Territorium mit Urin. Das tun unter Umständen auch kastrierte Katzen, aber nicht so häufig, und der Geruch ist weniger stechend. Dieses Markieren innerhalb des Hauses ist für die meisten Katzenbesitzer inakzeptabel. Es kann jedoch immer dann auftreten, wenn Katzen ihre soziale Rangordnung in einem Haushalt mit mehreren Katzen ausfechten, oder wenn eine neue Katze oder ein anderes Tier in der Nachbarschaft ihnen die Herrschaft streitig macht.

Normalerweise gibt es auch bei Katzen eine Rangordnung. Dominanz kann dabei auf verschiedene Weise ausgedrückt werden und ist wie die Grenzen des Territoriums nicht festen Regeln unterworfen. In Haushalten mit mehreren Katzen ist manchmal zu beobachten, wie die eigentlich schwächere Katze die Herrschaft übernimmt, wenn die stärkere krank wird oder eine andere Schwäche offenbart. Aber auch eine Katze, die allein im Haushalt lebt, kann das Bedürfnis haben, ein Territorium abzustecken, um damit z.B. ihr Selbstwertgefühl zu steigern oder potentielle Rivalen zu warnen.


Katzen und Wasser

Die meisten Katzen sind wasserscheu. Sie mögen es nicht, wenn sie nass werden. Wenn eine Katze auch nur vom leichtesten Nieselregen überrascht wird, wird sie eine gute Viertelstunde damit verbringen, sich sorgfältig zu trocknen und zu putzen. Gleichzeitig scheint Wasser jedoch auch eine gewisse Faszination auf Katzen auszuüben – besonders, wenn sie darin einen Goldfisch sehen. Katzen der Rasse Türkisch Van schwimmen gerne, aber diese Aktivität beschränkt sich eher auf die warmen Gewässer ihrer Heimat. Auch wenn Ihre Katze normalerweise kein Wasser mag, löscht sie damit ihren Durst. Stellen Sie ihr immer genügend Wasser hin, und sorgen Sie dafür, dass dieses Wasser immer frisch ist.


Die Katze lässt das Mausen nicht

Katzen jagen gern und bringen ihre Beute auch mit nach Hause. Katzenbesitzer können dieses Verhalten manchmal nur schwer akzeptieren. Der Jagdinstinkt ist bei Katzen sehr stark ausgeprägt. Die Sinne von heranwachsenden Katzen werden durch Spielen sowie durch Beobachten und Nachahmen der Mutter beim Jagen geschärft. Jagen ist für Katzen etwas ganz Natürliches, und sie jagen auch, wenn sie zu Hause gut gefüttert werden. Sie genießen die Jagd, das vorsichtige Anschleichen, bis sie nahe genug sind. Kommt Ihre Katze mit der Beute nach Hause und präsentiert Ihnen stolz die Maus oder Libelle, erwartet sie Anerkennung. Es hat keinen Sinn, sie zu bestrafen, weil sie gejagt hat. Jagen ist so tief in ihrer Natur verwurzelt, dass es sie nur in tiefe Verwirrung stürzen würde, wenn Sie versuchten, ihren Jagdtrieb zu unterbinden. Sie könnten ihr ein leises Glöckchen ans Halsband binden, damit Vögel und andere potentielle Opfer gewarnt werden. Allerdings haben schon viele Katzen gelernt, sich trotzdem lautlos anzupirschen. Verwenden Sie auf jeden Fall unbedingt ein Halsband, in das ein elastischer Teil eingearbeitet ist. Auf diese Weise kann sich Ihre Katze befreien, falls sich das Halsband irgendwo verfängt. Wenn Ihre Katze gerne jagt, ist es äußerst wichtig, ihr regelmäßig Wurmkuren zu verabreichen, weil sie sich beim Beuteverzehr mit Parasiten infizieren kann.


Körpersprache

Katzenbesitzer wissen, dass die Kommunikationsfähigkeit ihrer Katze nicht auf Schnurren, Miauen und den melodischen Gesang beschränkt ist. Tatsächlich kommunizieren Katzen auf verschiedenste Weise. Sie nutzen Laute, Gesten, Mimik und reden mit Ohren, Maul und Schwanz. Bei der Kommunikation mit anderen Katzen entwickeln sie ein umfangreiches Vokabular. Besonders Mutterkatzen verfügen über ein großes Repertoire an verschiedenen Lauten. Schnurren drückt normalerweise Glück oder Zufriedenheit aus. Es ist leicht von dem tiefen, rasselnden Knurren zu unterscheiden, das Katzen- oder Hundeeindringlingen vorbehalten ist.
Man unterscheidet beim Miauen unter anderem folgende Geräusche:

  • Das kurze, hohe Miau einer durchs Haus wandernden Katze auf der Suche nach ihrem Besitzer
  • Das lautere und bestimmendere Miau, wenn sie möchte, dass man ihr eine Tür öffnet oder Futter gibt
  • Der aus ganzem Herzen kommende Schrei der Empörung in bestimmten, unangenehmen Situationen. Zum Beispiel, wenn sie in eine Transportbox eingesperrt wird oder ihr jemand aus Versehen auf den Schwanz tritt.

Die Körpersprache einer Katze ist ein faszinierendes Thema. Wahrscheinlich hilft Ihnen der gesunde Menschenverstand und Ihre Katzenerfahrung, die Gefühle und Bedürfnisse Ihrer Katze richtig zu interpretieren. Am leichtesten ist die Haltung einer zufriedenen Katze zu erkennen, wenn sie absolut entspannt und mit halb geschlossenen Augen daliegt. Eine entspannte Katze streckt sich und fährt dabei langsam ihre Krallen aus und wieder ein. Das sind Signale aus der Babyzeit, als sie noch von der Mutter gefüttert wurde. Dabei bearbeiten die Babys mit den Pfoten die Milchleiste der Mutter, um den Milchfluss zu stimulieren. Natürlich ist eine zufriedene Katze auch am Schnurren sofort zu erkennen. Auch die Ohren einer Katze sagen viel über ihren Gemütszustand aus. Sie spitzt die Ohren nach vorne, wenn sie aufmerksam ist, jagt oder ein interessantes Geräusch hört. Eine nervöse Katze zuckt mit den Ohren, und eine sehr verängstigte oder aggressive Katze legt die Ohren flach am Kopf an.

Eine fauchende oder zischende Katze mit entblößten Zähnen bietet einen Furcht erregenden Anblick. Die charakteristische seitliche Haltung mit aufgestelltem Fell läßt sie größer auf einen Feind wirken. Die Zunge einer Katze dient vielen Zwecken. Sie liefert der Katze eine Menge Information über ihre Umgebung. Katzen "riechen" sogar damit. Außerdem benutzen sie ihre raue Zunge, um sich und andere Katzen zu putzen. Wenn Ihre Katze versucht, die Liebe zu Ihnen durch Putzen auszudrücken, halten Sie sie sanft davon ab. Aus hygienischen Gründen sollten Sie Küsschen und Ablecken nicht dulden. Erklären Sie das auch Ihren Kindern. Die Art, wie die Katze ihren Schwanz hält, gibt der Umwelt Auskunft über ihre momentane Stimmung. Eine Katze, die zur Begrüßung auf Sie zuläuft, trägt ihren Schwanz hoch erhoben, wobei die Spitze dabei vielleicht ganz leicht gebogen ist. Eine sanfte Bewegung der Schwanzspitze lässt auf Vergnügen (bei einer entspannten Katze) oder Erwartung schließen (bei der Jagd, kurz vor dem Zuschlagen oder bei einer hungrigen Katze, die auf das köstliche Mahl wartet, das Sie ihr gleich servieren werden). Seien Sie vorsichtig, wenn daraus ein heftiges Schwanzzucken wird. Es bedeutet: Was auch immer Sie gerade tun, irritiert Ihre Katze. Und wenn sie erst den ganzen Schwanz von einer Seite zur anderen schwingt, halten Sie sich besser von ihr fern!


Sexualverhalten

Wie alle anderen Tiere haben auch Katzen den natürlichen Instinkt, die Erhaltung der eigenen Art durch möglichst viele Nachkommen zu sichern. Unter natürlichen Bedingungen paaren sich weibliche Katzen nur zwei- bis dreimal jährlich. Wann und wie oft, hängt vom Klima und dem zu erwartenden Nahrungsangebot ab. Katzen, die in der Wohnung leben oder regelmäßig gefüttert werden, paaren sich jedoch zu jeder Jahreszeit. Das Verhalten weiblicher Katzen, die gerade rollig sind, ist für den unerfahrenen Katzenhalter manchmal Besorgnis erregend. In dieser Zeit ruft die weibliche Katze, je nach individuellem Temperament, oft laut und durchdringend. Sie zeigt verstärkt Zuneigung, wird sehr laut, unruhig und rollt sich auf dem Boden hin und her. Die Rolligkeit kann sich über zwei Wochen hinziehen, wenn kein Kater die Lockschreie erhört. Und gar nicht so selten werden Katzen nach einigen Jahren dauerrollig, magern ab und zeigen hysterisches Verhalten. Das können Sie sich und Ihrer Katze ersparen, natürlich auch jedem Kater. Die Kastration eines draufgängerischen Katers macht ihn zu einem ruhigeren und zärtlicheren Gefährten. Er wird weniger herumstreifen, seltener in Kämpfe mit anderen Katzen geraten oder im Haus Stellen markieren. Wenn Sie darüber nachdenken, ihre Katzen kastrieren zu lassen, sollten Sie mit Ihrem Tierarzt über mögliche Auswirkungen und den richtigen Zeitpunkt für die Kastration sprechen.

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